Sonntag, 12. Juli 2009

II. Ratingen-Dumeklemmer Spektakel 2009

Nach dem Traurigen Ereignis vom Freitag ging es nicht anders, aber wir mussten raus - irgendwie unter Menschen. Um zu vergessen - den Kopf frei zu bekommen.
Das mag für einige makaber klingen, aber das Leben muss weitergehen. Auch wenn es nur noch ein SchattenLeben ist.
Und so ging es Samstag für ein paar Stunden zum Ratinger Dumeklemmer Spektakel.
Und direkt am Parkplatz eine nette Überraschung, obwohl überrascht war eigentlich keiner mehr - ist eben Normalfall.


Es ist eben nur der einen Hälfte hier im Land gewünscht den Sommer zu genießen.

Weiter, vorbei an einem Plakat mit Werbung für einen Selbstverteitigungskurs nur für Frauen (als ob die das nötig hätten), rein in die Stadt Richtung Marktplatz & Kirchenvorplatz. Und Ratingen ist eine durchaus sehenswerte Stadt mit ein paar beeindruckend schönen alten Gebäuden.

Man beachte das Schild links vom Haus, für wenn die Zone ist. Wir sind dann trotzdem einfach weitergegangen und kamen nach ein paar weiteren Metern zum Markte.

Das Wetter war zwar genau so trübe wie unsere Stimmung, aber alles in allem war der Mittelalter Markt ganz nett und passte optisch gut zu dem Kirchengebäude, was der Sache eine gewisse Atmosphäre verlieh.

Und auch das Programm war mit den Üblichen Darbietung nett gemacht. Schmiedekurse und Bogenschießen für Mädchen, eine Frau die ganz weiblich Showkampf vorführte, eine MärchenerzählerRIN, und für heute ist irgendeine Gruppe von SchülerRinnen angesagt.
Nur die Veanstalltungen in der Kirche mußten wir uns leider entgehen lassen - zu voll.


Da Ratingen ja zum ehemaligen Bereich der Grafen zu Bergen gehörte, und weil man ja Heide ist, ist die Geschichte was es mit dem Dumeklemmer auf sich hat durchaus von Interresse. Und die hängt mit der sog. Dumeklemmersage zusammen, die Samstag via Theaterstück auch Aufgeführt worden ist.
Die Ratinger Dumeklemmersage darf in keinem Ratinger Stadtführer fehlen. Sie erzählt, daß die ehemals heidnischen Ratinger dem Heiligen Suitbertus den Daumen geklemmt und damit von seinem Vorhaben abgebracht haben, sie zum Christentum zu bekehren. Als Strafe Gottes kamen fortan alle Ratinger Kinder mit einem flachen Daumen auf die Welt. Und der Beiname "Dumeklemmer" oder "Die Hartnäckigen" sollte den Ratingern bis in alle Ewigkeit anhaften.
Aus der ersten Veröffentlichungund schriftlichen Wiedergabeaus dem Jahr 1897:
Gen Köllen, Rees und XantenEn och nach Neerlanden,Do hat de hil'ge SuitbertDe Heiden woll all bekiart.Gen Ratingen kwam he ock fürbaß,Well do noch ken Chrestendom was.Doch wuat he nitt guet opgenommen.Dat Volk het sech für Portz gestemmt,On het em bluedig de Dumen geklemmt;Et het em geschmieten Sten op et Hopt,Dat he bedrüeft dovan es lopt.He äwwer rief engremmichlich:"Dat Volk es hartnäckiglich;De Nam, de sall em bliewen,Well et mech het verdriewen."
Übersetzung:
Gen Köln, Rees und XantenUnd auch nach den Niederlanden,Da hat der heilige SuitbertDie Heiden wohl alle bekehrt.Gen Ratingen kam er auch weiter,Weil da noch kein Christentum war.Doch wurde er nicht gut aufgenommen.Das Volk hat sich gegen das Tor gestemmt,Und hat ihm blutig den Daumen geklemmt;Es hat ihm geworfen Steine auf das Haupt,So daß er betrübt davon gelaufen ist.Er aber rief ingrimmig:"Das Volk ist hartnäckig;Dieser Name, der soll ihm bleiben,Weil es mich hat vertrieben."
Aber - wie es bei vielen Sagen häufig üblich ist - nimmt sich auch die Dumeklemmersage gewisse Freiheiten heraus, die mit rein wissenschaftlichem Herangehen nicht unbedingt zu bestätigen ist. So lebte der Heilige Suitbertus bereits in der Zeit um 700, also lange bevor Ratingen überhaupt Stadtrechte (1276) und damit verbunden jenes Stadttor erhielt, welches die Ratinger angeblich für ihre "kriminelle" Tat verwendeten.Als wahrscheinlichster Ursprung des Beinamens "Dumeklemmer" bietet sich vielmehr die belegte Tatsache an, daß Ratingen im Mittelalter ein Gerichtsort war, wo man nicht zimperlich mit wahren und vermeintlichen Missetätern umging. So wurde in Ratingen bereits vergleichsweise früh das Mittel der Folter angewendet, und es ist zu vermuten, daß Ratingen damit über seine Grenzen hinaus - aus heutiger Sicht - zu zweifelhaftem Ruhme gelangte. Es mag also sein, daß man in dieser Zeit Ratingen als Dumeklemmerstadt bezeichnet hat.


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