Montag, 19. Oktober 2009

Die Vandalen - Geiserich ante portas

Titel: Winteranfang
Datum: Mittwoch, 14. Oktober 2009
Wiederholung: Dieses Ereignis wiederholt sich jedes Jahr.
Bemerkungen: In alter Zeit kannte man nur zwei Jahreshälften, und der Beginn des Winters fiel nach dem norwegischen Runenkalender auf den 14. Oktober. Da Tage mit der Nacht und Jahre mit dem Winter begannen, war dies also auch der alte Termin für den Jahreswechsel.
In den Sagas gibt es zwei Stellen (Víga-Glúms saga 6 und Egilssaga 44), die berichten, dass an diesem Tag ("at vetrnóttum", also zu den "Winternächten") auch das Disenopfer stattfand. Diese zwei Belege gelten zwar als etwas dubios, aber auch andere isländische Quellen berichten von einem "Herbstopfer" zu diesem Termin.



Vor 1.570 Jahren: Die Vandalen erobern Karthago - Geiserichs Vandalen landen in Afrika:
Die Vandalen sind mitten unter uns. Sie verwüsten Schulen, beschmieren öffentliche Verkehrsmittel oder randalieren. Der Volksmund bezeichnet solche Akte sinnloser Zerstörung als Vandalismus, benannt nach jenem Stamm der Vandalen, den vermeintlich wildesten Unholden des Altertums. Dabei treiben die es zur Zeit der großen Völkerwanderung auch nicht schlimmer als andere Germanenstämme. Und so haben auch die Vandalen bis heute einen nachhaltigen Eindruck in den Überlieferungen hinterlassen. Zum einen verdanken sie das schlicht übler Nachrede ihrer zahlreichen, meist katholischen Erzfeinde, zum anderen aber einer herausragenden Führungsgestalt, wie sie kein anderes der herumvagabundierenden Völker hervorgebracht hat. Sechs Jahrzehnte lang bestimmt Geiserich die kriegerische und politische Marschroute der Vandalen. Mit der Eroberung der römischen Nordafrika-Metropole Karthago legt der uneheliche Sohn des Königs Godegisel den Grundstein zu einem florierenden vandalischen Mittelmeer-Imperium.
Unter dem Druck der aus Osten heranziehenden Hunnen und Goten weichen die im heutigen Schlesien siedelnden Vandalen um das Jahr 400 gen Westen aus. Am Rhein stoßen die von Rom als "furor teutonicus" gefürchteten Barbaren im Dezember 406 auf erbitterten Widerstand. In einer siegreichen Schlacht gegen die mit Rom verbündeten Franken stirbt an der Seite seines 16-jährigen Sohns Geiserich auch König Godegisel. Drei Jahre lang ziehen die Vandalen nun im Verein mit dem Reitervolk der Alanen raubend, sengend und mordend durch das reiche Gallien bis nach Spanien. Doch auch im äußersten Süden finden sie keine Ruhe vor den nachdrängenden Horden der Westgoten. Mit einer kühnen strategischen Meisterleistung gelingt es Geiserich, inzwischen König der Vandalen und Alanen, seinem Volk eine neue Zukunft zu eröffnen. Im Jahr 429 setzen binnen vier Wochen rund 80.000 Krieger, Frauen und Kinder samt Pferden und Vieh durch die Straße von Gibraltar nach Nordafrika über, in die blühende, aber nur mangelhaft gesicherte Kornkammer des römischen Reichs.
Bestens organisiert lenkt Geiserich sein Volk den reichen Küstengürtel entlang ostwärts. Nach erfolgreicher Belagerung wird 431 die prosperierende Bischofsstadt Hippo Regius, Wohnsitz des Heiligen Augustinus, ausgeplündert. Vor Karthago stoppt Geiserich seinen Feldzug, um zunächst die vandalische Herrschaft in den eroberten Gebieten zu festigen. Erst am 19. Oktober 439 nimmt er die damals nach Rom und Byzanz drittgrößte Stadt der bekannten Welt im Handstreich ein - mit einer List, die leider nicht überliefert ist.
Von Karthago aus beherrschen die Vandalen bald das gesamte westliche Mittelmeer. 455 wagen sie gar den direkten Angriff auf das dekadente Rom und plündern die Stadt in einer zweiwöchigen, nahezu unblutigen Kommandoaktion vollständig aus. Bis zu seinem Tod im Jahr 477 bleibt Geiserich unumschränkter Herrscher des ersten unabhängigen Germanenreichs auf römischem Boden. Seine wenig begabten Nachfolger jedoch verspielen die ihnen hinterlassene Großmacht binnen weniger Jahrzehnte. Nach 130 Jahren auf der weltpolitischen Bühne werden die Vandalen 534 von byzantinischen Truppen endgültig aufgerieben und hinweggefegt. Schriftliches hinterlassen sie nicht, nur ihre Gegner. So ist das Einzige, was von ihnen bleibt - ihr schlechter Ruf.

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