Donnerstag, 12. November 2009

Robert Enke

"Deutschland liegt in Europa auf Rang drei der Länder mit der höchsten Suizidrate, hinter Litauen und Russland. Selbst wenn wir alle HIV-Toten, Opfer von Autounfällen und Tote nach Drogenmissbrauch zusammenzählen, kommen wir nicht auf diese Zahl", sagte der Psychiater Johannes Pantel. Die Suizidversuche lägen sogar zehn bis zwanzig Mal so hoch."
Am Dienstag hat sich der Torwart von Hannover 96, Robert Enke, das Leben genommen.
Mich berührt das in ganz besonderer Weise, da ich in den letzten zwei Jahren selber drei Menschen verloren habe die mir etwas Bedeutet haben. Zwei davon auf vergleichbare Weise durch Suizid.
Über die genauen Umstände seiner Depression zu Spekulieren wäre vermessen und unangebracht. Leider benehmen sich die Medien wieder mal extrem Assozial und agieren ohne jede Form von Menschlichkeit oder Rücksichtnahme, Hauptsache Schlagzeilen.
Depressionen im Fußball und bei Stars im allgemeinen sind ja eigentlich nicht neues. Die Leute die sich für Fußball interessieren werden sich sicherlich noch an Sebastian Deisler erinnern.
Der Ruhm und das Star sein hat schon viele Menschen zerbrechen lassen. Und jetzt hat es eben Robert Enke getroffen, der in seinem Leben schon einige Schicksalsschläge hat hinnehmen müssen. Das ist das eben, wenn man in einem Land wohnt, in dem stark sein - Ausstrahlung haben - Erfolgreich sein macht attraktiv - Toll sein unsw. als positive Werte verkauft werden. Wundern darf man sich da nicht - wenn dann so etwas passiert.
Ich möchte nur mal wissen, warum niemand danach fragt, wie es dem Lokomotivführer den so geht. Über den armen Menschen macht sich keine Sau Gedanken.
Was die frau von Robert Enke gestern im TV abgezogen hat, war unter aller Würde. Auch die meisten meiner Arbeitskollegen waren von deren armseligen Auftritt angekotzt. Wenn ein Mensch stirbt denn ich vorgebe so zu lieben, dann stelle ich mich nicht am nächsten Tag vor die Kameras und mache mich wichtig - sondern tauche ersteinmal eine Zeit lang ab um meinen Schmerz zu verarbeiten.
Das die Medien natürlich direkt wieder von der Superstarken BesserMenschenfrau die so super ultra Tapfer ist gesprochen haben, war klar. Im Umgekehrten Fall hätte die Bewertung mit Sicherheit anders ausgesehen.
Bleibt als Fazit aus dieser Sache Festzustellen:
Das Männer entgegengesetzt der allgemeinen Veröffentlichten Meinung doch so etwas wie Gefühle haben, verletzbar sind und ganz schwach sein können.
Der Tochter, seinen Verwandten und dem Lokomotivführer mein Beileid.

Einen lesenswerten Blog zum Thema Depressionen gibt es hier.

Kommentare:

  1. Was ich an solchen und ähnlichen Situationen immer so fragwürdig finde - warum LERNT keiner daraus? Warum scheren sich die Leute nicht weiter um ihre Mitmenschen bis wieder ein Unglück passiert? Das ist mit Selbstmorden, mit Amokläufen und anderen Katastrophen dieser Art doch immer gleich vom Ablauf:

    1. Eierkuchen. Freude. Friede.
    2. Der Tod kommt und haut der Welt eine rein
    3. Alle Welt weint und schreit
    4. Kritische Stimmen werden laut
    5. Welt vergisst, Kritischstimmige schütteln Kopf
    6. Es wird stiller, wird verdrängt
    7. Repeat.

    Da kam neulich meine Ex-Chefin auf mich zu und sagte über einen gemeinsamen Freund der unlängs in der psych. Betreuung war so einen tollen Satz wie "Ich habe noch am Morgen mit ihm gesprochen und er war völlig okay." Natürlich war er okay. Das mit der Psychose war ja auch aus heiterem Himmel - nicht daß man das hätte absehen können. Und nein, bloß nicht näher damit beschäftigen, bloß nicht tiefer in die Augen sehen, man hat ja mit seinen eigenen Ängsten und Sorgen schon so viel zu tun. Es ist nur deshalb so leicht zu spielen alles sei normal, weil der Rest der Welt sich wünscht es wäre es.

    Ich bin mir wohl der Menschen bewusst die um mich herum kurz vor einem Aussetzer stehen und bin selbst manchmal nicht zu weit davon weg, irgendwas zu machen was diese Welt nicht verstehen kann weil sie es nicht gelernt hat zu verstehen. Nun, mittlerweile nicht mehr, war vor ein paar Jahren aber anders. In meinem Fall ist es Kunst die ich als Ventil nutze. Die versteht die Welt oft genausowenig. Aber was wundern sich die Herrschaften von Heute, mit einer Empathie die der eines toten Herings gleicht, daß sie nicht SEHEN können wenn jemandem etwas auf dem Herzen liegt? Es ist traurig. Es ist bitter. Und es war noch nie fair. Mich hat es aufgehört zu stören, ich musste damit umgehen lernen, aber wie viele können/konnten das nicht, bevor ihre Zeit gekommen ist, bevor sie gehen wollen nur damit es endet?

    Das einzige, wessen ich mir fast schon sicher bin, daß es kein Todesereignis geben wird aus dem die Menschheit mit einem Aha-Moment herausgeht.

    Das mit dem Lokomotivführer ist übrigens ein treffender Punkt, sowie das mit der Meinung über Männer, welche etwas abseits der öffentlichen Wahrnehmung ist.

    Unsere Welt kränkelt und diese Krankheit ist in den Köpfen und Seelen unglaublich vieler gepeinigter Menschen. Menschen, die eigentlich einfach nur leben wollten. Bis zu dem Zeitpunkt wo die Welt ihnen vor Augen führte, daß sie soundso sein mussten, soundso nicht sein durften und eigene Träume und Ideen? Nix gibts! Erwartungen, damit wurden sie beschenkt. Und erstickt. Tag für Tag. Jahre lang.

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  2. Die Kritik an dieser Frau finde ich unberechtigt. Ich glaube es ging ihr auch weniger, um sich selber, als auf das Thema Depression aufmerksam zu machen und die Hintergründe von diesem Selbstmord aufzuklären. Sie hat das sehr gut gemacht. Ob sie wirklich so stark ist wie die Medien sie stilisisieren, kann wohl nur Frau Enke beantworten.
    Es gehört auch Mut dazu, soviel von sich preiszugeben.
    Ps. Danke für dein Kommentar. Ich schrieb dir was dazu. :-)

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